Auf einem Erdhügel mit Blick auf Kalar und das Sirwan-Tal gelegen, ist Burg Scherwana ein restaurierter kurdischer Festungssitz aus dem 19. Jahrhundert und regionales Museum.
Burg Scherwana in Kalar
Auf einem Erdhügel mit Blick auf die Stadt Kalar und das Becken des Flusses Sirwan (Diyala) gelegen, ist Burg Scherwana (kurdisch: Qellay Şêrwane) ein aristokratischer Landsitz aus dem 19. Jahrhundert in der Region Kurdistan im Irak. Erbaut im Jahr 1866 als befestigter Verwaltungssitz von Mohamed Pascha Dschaff – einem führenden Oberhaupt des Dschaff-Stammes – verbindet die Burg defensive Wehrarchitektur mit herrschaftlichen Wohnräumen. Nach Jahrzehnten der Verwitterung, kriegsbedingten Schäden und einem schweren Erdbeben im Jahr 2017 präsentiert sich das Bauwerk heute vollständig restauriert und empfängt Reisende als Regionalmuseum.

Historische Ursprünge und die Dschaff-Dynastie
Burg Scherwana entstand während einer Phase des Umbruchs in der osmanischen Provinzialverwaltung. Mitte des 19. Jahrhunderts festigte Mohamed Pascha Dschaff seine Vormachtstellung in den fruchtbaren Ebenen von Schahrizor und Garmian. 1868 bestätigte die osmanische Verwaltung in Bagdad offiziell seine Führungsrolle.
Der Stamm der Dschaff nutzte saisonale Weiderouten und Handelswege zwischen Chanaqin und Pendschwin. Um diese Verbindungen gegen rivalisierende Stämme – vor allem die Hamavand – zu sichern und eine dauerhafte Basis aufzubauen, errichtete Mohamed Pascha Dschaff die Burg auf einer Anhöhe über dem Fluss Sirwan. Scherwana fungierte als befestigte Residenz, an der Stammesführer Verträge schlossen, Landstreitigkeiten schlichteten und regionale Angelegenheiten verhandelten.
Während des Ersten Weltkriegs und des britischen Mandats in Mesopotamien verfielen viele regionale Festungen oder wurden geschleift. Burg Scherwana blieb intakt, da die Führung der Dschaff kooperative Beziehungen zu den britischen Behörden unterhielt. Dieses Bündnis sicherte den Erhalt des Anwesens bis in die Neuzeit als überdauerndes Zeugnis autonomer kurdischer Stammesarchitektur, dokumentiert von Kurdish History und Wikipedia.

Architektur und Grundriss
Burg Scherwana umfasst rund 400 Quadratmeter Fläche auf zwei Stockwerken über einem erhöhten Untergeschoss. Örtliche Baumeister verwendeten regionale Baustoffe: luftgetrocknete und gebrannte Ziegel, Kalkstein, Flusskiesel, Gipsmörtel und Putz sowie massive Holzbalken für Deckenbalken, Fenster- und Türrahmen.
Der Komplex kombiniert traditionelle kurdische Wehrarchitektur mit dekorativen Elementen des spätosmanisch-persischen Grenzraums, wie Castlopedia festhält:
- Grundriss und Türme: Ein symmetrischer rechteckiger Grundriss, flankiert von vier runden Eckbastionen. In den oberen Stockwerken befinden sich schmale Schießscharten für Wachen.
- Dachlandschaft und Kuppel: Im Zentrum des Daches erhebt sich eine gestufte Ziegelkuppel, umgeben von sechseckigen Gaubenfenstern. Wellenförmige Zinnen und Ziegelornamente entlang der Brüstungen spiegeln persische Stilelemente jener Epoche wider.
- Innenräume: Das Innere gliedert sich in drei langgestreckte Säle um einen achteckigen Zentralsaal. Die weiß getünchten Wände weisen eingelassene Bogen-Nischen (Taqcheh) auf, in denen früher Porzellan, Teegeschirr und persönliche Gegenstände aufbewahrt wurden. Die oberen Räume dienten als Privatgemächer der Familie, Verwaltungsräume und Vorratslager für Getreide.

Erhaltungszustand und Wiederaufbau nach dem Erdbeben
Burg Scherwana erforderte in den letzten Jahrzehnten wiederkehrende Restaurierungsarbeiten. Erschütterungen durch Artilleriebeschuss in den 1990er Jahren sowie schwere Regenfälle im Jahr 2014 führten zu Rissen im äußeren Ziegelmauerwerk.
Die schwersten Schäden entstanden am 12. November 2017 bei einem Erdbeben der Stärke 7,3 im iranisch-irakischen Grenzgebiet. Die Erschütterung beschädigte rund 35 % der Bausubstanz, brachte die zentrale Dachkuppel zum Einsturz und riss Mauerteile der Brüstungen und Ecktürme auf.
Nach dem Erdbeben leitete die Antikendirektion von Garmian die bauliche Sicherung und mehrstufige Instandsetzung ein, unterstützt von internationalen Denkmalschutzexperten und niederländischen Hilfsgeldern. Handwerker sicherten die Fundamente, bauten die eingestürzte Kuppel mit traditionellem Kalk-Gips-Mörtel wieder auf und verputzten die Innenräume neu.

Praktische Reise- und Besucherinformationen
Burg Scherwana dient heute als städtisches Museum von Kalar und präsentiert volkskundliche Exponate, historische Fotografien und regionale Bodenfunde.
- Lage: Nördlicher Stadtrand von Kalar, Garmian-Verwaltung, Gouvernement Sulaimaniyya, Region Kurdistan, Irak.
- Anreise: Kalar liegt 140 Kilometer südlich von Sulaimaniyya (ca. 2,5 Stunden Fahrzeit über die Darbandikhan-Fernstraße) und 180 Kilometer südöstlich von Kirkuk. Sammeltaxis und Minibusse verkehren täglich ab der südlichen Sammelgarage in Sulaimaniyya nach Kalar.
- Öffnungszeiten: Täglich geöffnet von 08:30 bis 16:30 Uhr. Freitags können sich die Zeiten aufgrund des Mittagsgebets verschieben.
- Besuchererlebnis: Besucher können die Ausstellungsräume im Erdgeschoss besichtigen, die Empfangssäle erkunden und die Dachterrasse mit weitem Ausblick über Kalar und die Flussebene betreten. Nicht-kommerzielle Fotografie ist auf dem gesamten Gelände gestattet.
- Reisetipps: Im Sommer klettern die Temperaturen in Garmian regelmäßig über 40 °C. Für die Besichtigung der Außenanlagen und Steintreppen empfehlen sich die milderen Monate von November bis April.
Sources
- Wikipedia: "Sherwana Castle" — https://en.wikipedia.org/wiki/Sherwana_Castle (Accessed: March 2026)
- Castlopedia: "Sherwana Castle: 19th-century Kurdish fortress in Iraq" — https://www.castlopedia.com/castle/sherwana-castle/9391 (Accessed: March 2026)
- Kurdish History: "Sherwana Castle: A Kurdish Princely Seat" — https://www.kurdish-history.com/post/sherwana-castle (Accessed: March 2026)
❓Frequently Asked Questions
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Burg Scherwana (Qellay Şêrwane) ist ein befestigter Adelssitz aus dem 19. Jahrhundert in Kalar in der Region Kurdistan im Irak, der von Mohamed Pascha Dschaff als Verwaltungssitz des Dschaff-Stammes erbaut wurde.
Die Burg wurde 1866 unter der Leitung von Mohamed Pascha Dschaff erbaut, einem einflussreichen Stammesführer innerhalb der regionalen osmanischen Provinzialordnung.
Das Bauwerk verbindet kurdisches Wehr- und Ziegelmauerwerk, vier runde Bastionstürme mit Schießscharten, einen achteckigen Zentralsaal sowie persisch beeinflusste Dachzinnen und Kuppeln.
Das Erdbeben der Stärke 7,3 im November 2017 beschädigte rund 35 % des Gebäudes, brachte die obere Kuppel zum Einsturz und hinterließ tiefe Risse im tragenden Mauerwerk.
Ja. Die Restaurierung begann 2018 unter der Leitung örtlicher Denkmalschutzbehörden mit internationaler Förderung; das Mauerwerk wurde stabilisiert und die Kuppel traditionell wiederaufgebaut.
Ja. Burg Scherwana steht Besuchern als Museum zur Stammesgeschichte der Dschaff und regionalen Archäologie tagsüber die ganze Woche über offen.