Jeden Herbst veranstaltet Halabdscha das größte landwirtschaftliche Festival der Region Kurdistan und zieht Hunderttausende von Besuchern an, die frische rubinrote Granatäpfel, hausgemachte Melasse und kurdische Bergspezialitäten probieren möchten. Hier finden Sie alles Wichtige über Festivaltermine, lokale Essensstände, Anreiserouten und Tagesausflüge in die umliegenden Hawraman-Berge.
Was ist das Granatapfel- und Herbstfestival in Halabdscha?
Das Granatapfel- und Herbstfestival in Halabdscha ist ein dreitägiges Erntefest, das jedes Jahr Ende Oktober oder Anfang November im Halabja Amusement Park in Halabdscha in Irakisch-Kurdistan stattfindet. Gegründet im Jahr 2013 als Basisinitiative lokaler Landwirte und Bürger, hat sich die Zusammenkunft laut Hanary Halabja zu einer der größten Agrotourismus-Veranstaltungen im Irak entwickelt.

Während des Festivals erklären die lokalen Behörden den Donnerstag zum offiziellen regionalen Feiertag und läuten damit ein langes Wochenende voller Handel, Volksmusik und Verkostungen ein. Die täglichen Öffnungszeiten des Festivals sind von 8:00 bis 18:00 Uhr. In den letzten Jahren überstieg die Besucherzahl 400.000 Gäste an drei Tagen und brachte regionalen Bauern, Köchen und Kunsthandwerkern Einnahmen von mehr als 1,7 Milliarden Irakischen Dinar ein, wie Rudaw berichtet.
Für die Menschen in Halabdscha besitzt das Ereignis eine tiefe kulturelle Bedeutung. Jahrzehnte nach den verheerenden Chemiewaffenangriffen im Krieg hat die Provinz ihre fruchtbaren Böden in ein Symbol für wirtschaftliche Erneuerung und landwirtschaftlichen Stolz verwandelt, wie von der Kurdistan Chronicle dokumentiert wird.
Warum die Granatäpfel aus Halabdscha in der gesamten Region berühmt sind
Die Ebenen und terrassierten Hänge rund um Halabdscha liegen am Fuße der Gebirgszüge Zagros und Hawraman. Natürliche Bergquellen, mineralstoffreiche Böden und deutliche Temperaturunterschiede zwischen warmen Sonnentagen und kühlen Herbstnächten schaffen ideale Bedingungen für den Anbau von Granatäpfeln mit dünner Schale, tiefroten Kernen und hohem Saftgehalt.
Landwirtschaftliche Aufzeichnungen der Regierung belegen, dass die Region Kurdistan jährlich mehr als 80.000 Tonnen Granatäpfel erntet, von denen laut Rudaw fast 30.000 Tonnen direkt aus den Obstgärten von Halabdscha stammen. Die meisten Plantagen im Tal setzen weiterhin auf traditionelle, pestizidarme Anbaumethoden, die seit Generationen weitergegeben werden.
Der Ruf der Granatäpfel aus Halabdscha reicht weit über die heimischen Märkte hinaus. Ende 2022 wurden die Früchte zum ersten nicht-erdölbasierten Agrarexport der Regionalregierung Kurdistan, der in Supermärkten der Vereinigten Arabischen Emirate und anderer Golfstaaten angeboten wurde, wie Rudaw berichtete. Während des Festivals reihen die Bauern ihre Kisten in den Gängen auf und schneiden frische Früchte auf, damit Besucher sie direkt vor Ort begutachten und kosten können.

Was man auf dem Festival essen und kaufen kann
Das Festivalgelände umfasst mehr als 650 Stände, die in drei Themenbereiche aufgeteilt sind: frische landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kunsthandwerk von Frauen und traditionelle kurdische Küche, wie Rudaw berichtet.
Frische Produkte und Vorratskammer-Spezialitäten
Rund 250 Stände widmen sich ganz den frischen Herbstfrüchten und Ernteerzeugnissen. Besucher finden hier unter anderem:
- Frisch geerntete Granatäpfel kiloweise oder kistenweise.
- Unbehandelten Wildblüten-Berghonig aus den Imkereien von Hawraman.
- Hausgemachte Granatapfelmelasse (Roba Hanar oder Rub al-Rumman), die in breiten Kupferkesseln eingekocht wird, bis sie dickflüssig, säuerlich-fruchtig und glänzend ist.
- Kaltgepressten Granatapfelessig und naturbelassene Fruchtsirupe, wie von Kurdistan 24 dokumentiert.
- Getrocknete Walnüsse, Bergmandeln, sonnengetrocknete Feigen, goldene Rosinen und wilden Sumach.
- Traditionelle Süßigkeiten wie Basoogh, eine feste Spezialität aus eingekochtem Traubensaft und Stärke, die um Walnusshälften gelegt wird.
Warmes kurdisches Streetfood
Essensstände sind den gesamten Tag über geöffnet und servieren dampfende regionale Spezialitäten:
- Kelane (Kalane): Hauchdünn ausgerolltes kurdisches Fladenbrot, gefüllt mit gehackten Frühlingszwiebeln oder Bergkräutern, gebacken auf einer gewölbten Saj-Gusseisenplatte und mit flüssiger Butter oder Ghee bestrichen.
- Holzkohlegegrillte Spieße (Kebab und Tikka): Würzig mariniertes Lamm- und Rindfleisch am Spieß, über offenem Holzkohlefeuer gegrillt und mit frischem Fladenbrot, rohen Zwiebeln und Sumach serviert.
- Dolma: Weinblätter, Zwiebelschichten, Mini-Auberginen und Zucchini, gefüllt mit gewürztem Reis, Hackfleisch, Kräutern und herber Granatapfelsauce.
- Frischer Granatapfelsaft: Händler pressen fortlaufend Tausende Granatapfelhälften mit handbetriebenen Hebelpressen aus und schenken Becher mit purem, ungesüßtem Direktsaft ein.

Kulturelle Live-Aufführungen und traditionelle Musik
Neben dem Markttreiben bietet das Festival ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, das von örtlichen Kulturkomitees und Bürgervereinigungen gestaltet wird.
Traditionelle kurdische Volkssänger präsentieren überlieferte Gesangsstile aus den Hawraman-Bergen, darunter Siachamana, einen melismatischen Berggesang ohne Instrumentalbegleitung, sowie rhythmische Hora-Lieder, wie Hanary Halabja erläutert.
Besucher und Händler versammeln sich oft spontan in den Passagen, um den Halparke, den traditionellen kurdischen Kreistanz, zu tanzen. Viele Gäste tragen festliche kurdische Kleidung, darunter weite Sharwal-Hosen mit Gürteltuch für Herren sowie reich verzierte Paillettenkleider mit Samtwesten für Damen, wie Kurdistan 24 berichtet.
Roadtrips und Ausflüge rund um Halabdscha und Hawraman
Rund 35 bis 40 Prozent der Festivalbesucher verbinden ihren Aufenthalt auf dem Markt mit Ausflügen in die umliegende Bergwelt, so das Tourismusdirektorat von Halabdscha. Wer mit dem Auto unterwegs ist, erreicht mehrere Höhepunkte innerhalb einer Stunde.
1. Das Hawraman-Tal (Byara und Tawella)
In nordöstlicher Richtung von Halabdscha führt die Straße in das steile Hawraman-Gebirgstal an der iranischen Grenze. Bergdörfer wie Byara und Tawella zeichnen sich durch Steinhäuser aus, die terrassenförmig in den Hang gebaut sind – das Dach des unteren Hauses dient dabei als Hof des oberen. Die Route schlängelt sich entlang von Walnusshainen, kalten Gebirgsquellen und Handwerksstuben, die traditionelle kurdische Flechtschuhe (Klash) anfertigen.
2. Ahmad-Awa-Wasserfall und Quellen
Ahmad Awa bei Khurmal, rund 20 Kilometer nördlich von Halabdscha, gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen im Gouvernement Sulaimaniyya. Ein befestigter Spazierweg folgt einem tosenden Gebirgsbach hinauf zu einem Wasserfall, umgeben von schattenspendenden Walnussbäumen, Picknickplätzen am Fluss und gemütlichen Teeständen im Freien.
3. Halabdscha-Denkmal und Friedensmuseum
Das Denkmal und Gedenkmuseum an der Zufahrt zur Stadt erinnert an die Opfer des Giftgasangriffs vom 16. März 1988. Der Besuch vermittelt wesentliche historische Zusammenhänge, bevor man die heutige kulturelle Blüte der Stadt erkundet.
4. Darbandikhan-See und Bergpässe
Die Verbindungsstraße zwischen Sulaimaniyya und Halabdscha verläuft nahe am Darbandikhan-See und durchquert Felstunnel in den Kalksteinmassiven. Entlang der Strecke bieten mehrere Aussichtspunkte Panoramablicke auf den Stausee und die herbstlich gefärbten Obstgärten im Becken des Flusses Sirwan.
Praktische Reisetipps für Besucher
Anreise
- Von Sulaimaniyya: Halabdscha liegt rund 75 bis 80 Kilometer südöstlich von Sulaimaniyya. Die Fahrtzeit über die Sayed-Sadiq-Fernstraße beträgt etwa 1,5 bis 2 Stunden. Sammeltaxis und Kleinbusse fahren regelmäßig ab der Baghdad Garage oder dem Halabja Terminal in Sulaimaniyya.
- Von Erbil: Die rund 175 Kilometer lange Strecke über Koya und Sulaimaniyya dauert mit dem Auto etwa 3,5 bis 4 Stunden.
- Kontrollpunkte (Checkpoints): Bei Fahrten durch die Region Kurdistan passieren Sie Sicherheitskontrollpunkte. Halten Sie Ihren Reisepass sowie Ihr Visum für Kurdistan bzw. das irakische Föderalvisum im Fahrzeug griffbereit.
Öffnungszeiten und beste Besuchszeit
- Festivalzeitraum: Jährlich Ende Oktober bis Anfang November (die genauen Termine werden jeweils im Oktober vom Gouvernement Halabdscha offiziell bestätigt).
- Tägliche Öffnungszeiten: 8:00 bis 18:00 Uhr.
- Beste Ankunftszeit: Es empfiehlt sich, zwischen 8:30 und 10:00 Uhr anzureisen, um dem dichten Mittagsverkehr zu entgehen und freie Parkplätze am Halabja Central Park zu finden.
Bargeld und Einkaufstipps
- Zahlungsmittel: An den Ständen wird ausschließlich Bargeld in Irakischen Dinar (IQD) akzeptiert. Kartenzahlung ist nicht möglich.
- Transport: Wenn Sie ganze Obstkisten, Honiggläser oder Melasseflaschen kaufen möchten, bringen Sie reißfeste Taschen mit oder erkundigen Sie sich nach Park- und Haltemöglichkeiten nahe den Ladezonen.
- Unterkunft: Hotels in Halabdscha sind oft Wochen im Voraus ausgebucht, wie Rudaw anmerkt. Die meisten Reisenden übernachten in Sulaimaniyya und unternehmen einen Tagesausflug nach Halabdscha.
Quellen
- Hanary Halabja — "Hanary Halabja - Cultural & Community Organization | Kurdistan Iraq" — https://www.hanaryhalabja.org/ (Zugriff im März 2025)
- Rudaw — "Halabja’s pomegranate festival attracts over 400,000 visitors" — https://www.rudaw.net/english/categories/kurdistan/909141 (Zugriff im März 2025)
- Rudaw — "Halabja pomegranate festival kicks off, 300k visitors expected" — https://www.rudaw.net/english/categories/kurdistan/908500 (Zugriff im März 2025)
- Rudaw — "Halabja annual Pomegranates Festival draws thousands" — https://www.rudaw.net/english/categories/kurdistan/831199 (Zugriff im März 2025)
- Kurdistan Chronicle — "Halabja’s Pomegranate Revival" — https://kurdistanchronicle.com/babat/3583 (Zugriff im März 2025)
- Kurdistan 24 — "Halabja bursts with color as Pomegranate and Autumn Festival opens" — https://www.kurdistan24.net/en/story/872449 (Zugriff im März 2025)
- Kurdistan 24 — "Photo story: Halabja’s interesting pomegranate festival" — https://www.kurdistan24.net/en/story/808775 (Zugriff im März 2025)
❓Frequently Asked Questions
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Das Festival findet jedes Jahr für drei Tage Ende Oktober oder Anfang November täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr statt. Die regionalen Behörden erklären den Eröffnungsdonnerstag in der Regel zum offiziellen Feiertag.
Das Festival findet im Halabja Amusement Park (Halabja Central Park / Games City) in der Stadt Halabdscha in der Region Kurdistan im Irak statt.
Der Eintritt zum Festivalgelände ist frei. An den Marktständen für Obst, Lebensmittel und Kunsthandwerk kann ausschließlich mit Bargeld in Irakischen Dinar (IQD) bezahlt werden.
Halabdscha liegt etwa 75 bis 80 Kilometer südöstlich von Sulaimaniyya. Die Fahrt mit dem Auto oder Sammeltaxi über die Fernstraße über Sayed Sadiq dauert rund 1,5 bis 2 Stunden.
Besucher können frische Granatäpfel, hausgemachte Granatapfelmelasse (Roba Hanar), Fruchtessige, Hawraman-Berghonig, Walnüsse, getrocknete Feigen und Basoogh-Konfekt sowie warme Gerichte wie Kelane-Fladenbrote und Grillspieße kaufen.
Die Unterkünfte in Halabdscha sind stark begrenzt und während der Festivaltage oft vollständig belegt. Die meisten Besucher übernachten in Sulaimaniyya und besuchen Halabdscha im Rahmen eines Tagesausflugs.


